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Beibehaltener primitiver Moro-Reflex Auswirkung auf die Entwicklung

Von Jerilyn Lecce, Beschäftigungstherapeutin

In Anerkennung des Monats April als Monat der Beschäftigungstherapie hat unsere Beschäftigungstherapeutin, Jerilyn Lecce, diesen interessanten Artikel über primitive Reflexe bereitgestellt.

Wenn ein Baby geboren wird, zeigt es verschiedene automatische Reaktionen, die für das Überleben wichtig sind. Diese Reaktionen werden vom Hirnstamm und/oder dem Rückenmark gesteuert und erfolgen automatisch, ohne Nachdenken. Diese Reaktionen, die als primitive Reflexe bezeichnet werden, sind für die Entwicklung unerlässlich. Während des ersten Lebensjahres führt das Baby diese reflexartigen Bewegungsabläufe immer wieder aus, was die Entwicklung des Gehirns unterstützt. Wenn das Gehirn reift, werden diese Reflexe „integriert“ und sind nicht mehr aktiv oder werden nicht mehr benötigt.

In vielen Fällen sind diese Reflexe nicht vollständig integriert und werden daher als „erhalten“ betrachtet. Je nachdem, welcher Reflex zurückgeblieben ist, sind verschiedene Funktionsbereiche verzögert. Zu den Funktionsstörungen, die durch zurückgebliebene primitive Reflexe beeinträchtigt werden, gehören: Grobmotorik, Feinmotorik, Sensorik, Kognition, Sozialverhalten und Ausdruck (Sprache, Emotionen, Verhalten). Bei Kindern mit ADHS, Autismus-Spektrum, Lernstörungen und Entwicklungstrauma ist die Wahrscheinlichkeit, dass die primitiven Reflexe erhalten bleiben, größer als in der Allgemeinbevölkerung.

Es gibt viele Gründe, warum ein Kind einen primitiven Reflex erhalten kann. Bei einigen Kindern liegt es an Frühgeburtlichkeit oder niedrigem Geburtsgewicht, Kaiserschnitt oder traumatischer Geburt, Alkohol- oder Drogenexposition während der Schwangerschaft und/oder im Säuglingsalter, schweren Krankheiten/Traumata/Verletzungen, mangelnder Bauchzeit, mehrfachen Ohrinfektionen oder daran, dass sie vor dem Laufen nur wenig Zeit mit Krabbeln verbracht haben.

Der Moro-Reflex ist ein zurückgebliebener primitiver Reflex, der auftritt, wenn ein Baby durch ein plötzliches, unerwartetes lautes Geräusch, eine unerwartete Berührung, helles Licht oder eine Lageveränderung (z. B. Kippen des Kopfes nach hinten im Verhältnis zum Körper) erschreckt wird. Wenn der Reflex ausgelöst wird, stößt das Baby seine Arme mit geöffneten Handflächen nach außen, begleitet von einem scharfen Einatmen, gefolgt von einem Einfrieren und Anhalten des Atems. Darauf folgt ein allmähliches Beugen der Arme und Finger mit dem Loslassen des Atems (normalerweise ein Schrei). Wenn er ausgelöst wird, führt dieser Reflex zur Aktivierung der „Kampf-, Flucht- oder Schreckreaktion“. Der Zweck dieses Reflexes bei einem Säugling ist es, das Baby zu alarmieren, Hilfe herbeizurufen und das erste Einatmen bei der Geburt zu erleichtern.

Wenn der Moro-Reflex nicht vollständig integriert wird, behält ein Kind eine übertriebene Schreckreaktion mit übermäßiger Freisetzung der Neurotransmitter Cortisol und Adrenalin (die Stress-Chemikalien). Dadurch gerät das Kind in einen Zustand von Stress oder „Hyperarousal“, der zu einer verminderten Gedächtnisleistung/Lernfähigkeit, übermäßiger Angst und/oder einer verminderten Immunität (mit möglicher Entwicklung von Allergien oder asthmaähnlichen Symptomen) beiträgt. Es kann auch dazu führen, dass ein Kind überempfindlich auf verschiedene Arten von Sinneseindrücken wie Temperatur, Berührung, Bewegung, Sehen und/oder Geräusche reagiert.

Ein Kind mit einem gestörten Moro-Reflex weist viele der folgenden Probleme auf: Konzentrationsschwierigkeiten, Ablenkbarkeit, schlechte Impulskontrolle, emotionale Unreife/Sensibilität, Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit, leicht auslösbare Wut, Schwierigkeiten bei der Ausführung verschiedener Arten von Augenbewegungen, verminderte visuelle Wahrnehmung (einschließlich der Schwierigkeit, irrelevantes visuelles Material zu ignorieren), angespannter Muskeltonus, Schwierigkeiten beim Lesen von schwarzer Schrift auf weißem Papier, Ermüdung bei fluoreszierendem Licht, Schwierigkeiten beim Ignorieren von Hintergrundgeräuschen, schlechte auditive Diskriminierung (Verstehen der Unterschiede zwischen Geräuschen), Aggressivität oder Rückzug, Gleichgewichtsprobleme, Dyskalkulie (Schwierigkeiten mit Mathematik), verminderte Koordination (meist bei Ballsportarten), Abneigung gegen Markierungen in der Kleidung/bestimmte Texturen, Schwierigkeiten, Kritik anzunehmen, geringes Durchhaltevermögen/Ausdauer, Abneigung gegen Veränderungen (schlechte Anpassungsfähigkeit), Reisekrankheit, Empfindlichkeiten gegenüber Nahrungsmitteln, unterschiedliche Reaktionen auf Drogen/Medikamente, kontrollierendes oder manipulatives Verhalten, geringes Selbstwertgefühl, Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, und reaktive Hypoglykämie (Hyperaktivität gefolgt von Müdigkeit).

Glücklicherweise wurden spezifische Bewegungen identifiziert, die, wenn sie korrekt und konsequent ausgeführt werden, nachweislich die Integration der erhaltenen primitiven Reflexe unterstützen und zu einer Verringerung oder Beseitigung vieler der oben genannten Defizite führen. Leider erweist es sich für vielbeschäftigte Familien oft als schwierig, dem Kind die nötige Aufsicht und Unterstützung zu geben, damit es über den empfohlenen Zeitraum hinweg an den empfohlenen Programmen teilnehmen kann. Bei Intermountain haben wir die einzigartige Möglichkeit, unseren Kindern die Unterstützung und Anleitung durch Erwachsene zu geben, die sie benötigen, um erfolgreich an diesen notwendigen Programmen zur Integration dieser abweichenden Reflexe teilzunehmen.

Wenn Sie daran interessiert sind, mehr über diesen Reflex zu erfahren, mehr über andere primitive Reflexe lernen möchten oder ein Kind haben, von dem Sie glauben, dass es einen zurückgebliebenen Reflex haben könnte, wenden Sie sich bitte an die Ergotherapieabteilung von Intermountain unter (406) 442-7920.

Goddard, Sally, Reflexes Learning and Behavior: A Window Into The Child’s Mind, 2. Auflage. Eugene, OR: Fern Ridge Press, 2005.
Paladini, Ellen M. & Sullivan, Tina J. Seminar: Tools For Classroom Success. Watertown, NY, 2007.
Johnson, Kathy. Seminar: Legasthenie, Dyskalkulie & Dysgraphie. PESI, Inc. Butte, MT, 2015.

Jerilyn (JJ) Lecce ist Ergotherapeutin bei Intermountain. Sie erhielt ihren Abschluss in Gesundheit & Human Development, Exercise & Wellness emphasis von der Montana State University und ihren Master of Occupational Therapy von der Texas Women’s University im Jahr 2002. In den letzten 16 Jahren hat sie in verschiedenen Bereichen der Praxis gearbeitet.

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