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Entropium

Ätiologie

Einwärtsdrehung des Tarsus und des Lidrandes, wodurch die Wimpern mit der Augenoberfläche in Berührung kommen

Die meisten Fälle haben eine einzige Ätiologie, aber einige sind multifaktoriell

Involutionär (altersbedingt)

  • häufigste Ursache des Entropiums, betrifft das Unterlid (tritt bei ca. 2% der älteren Bevölkerung)
  • kann schubweise auftreten
  • entsteht durch eine Kombination von altersbedingten Degenerationen
    • horizontale Lidlaxität durch Ausdünnung und Atrophie des Tarsus und der Canthussehnen
    • Schwäche der Unterlidretraktoren
    • Überschiebung des preseptalen über den prätarsalen Anteil des Musculus orbicularis oculi am Lidrand. Dies führt zu einer Einwärtsdrehung der Tarsalplatte beim Lidschluss

Zikatrisch

  • Schwere Vernarbung und Kontraktion der Lidbindehaut zieht den Lidrand nach innen (chronische Blepharitis, okuläres zikatrisches Pemphigoid, Stevens-Johnson-Syndrom, Bindehautentzündung, Verätzungen, postoperative Komplikation)

Spastisch

  • verursacht durch spastische Kontraktion des Orbicularis-Muskels, ausgelöst durch Augenreizungen (einschließlich Operationen) oder durch einen essentiellen Blepharospasmus. Lässt sich in der Regel spontan zurückbilden, sobald die Ursache beseitigt ist

Anlagebedingtes

  • Sehr seltenes Unterlid-Entropium aufgrund einer unzureichenden Befestigung der Retraktionsmuskeln am unteren Rand der Tarsalplatte

Prädisponierende Faktoren

Altersbedingtealtersbedingte degenerative Veränderungen der Lider
Schwere vernarbende Erkrankungen der tarsalen Bindehaut
Augenreizungen oder frühere Operationen

Symptome

Fremdkörpergefühl, Irritation
Rot, wässriges Auge
Verschwommenes Sehen

Anzeichen

Hornhaut- und/oder Bindehautepithelstörung durch Abrieb der Wimpern (breites Spektrum an Schweregraden)
Lokalisierte Bindehauthyperämie
Lidlaxität (involutionäres entropion)
Conjunctival scarring (cicatricial entropion)
Absence of lower lid crease (congenital entropion)
Distraction test

  • if lower lid can be pulled >6mm from globe, it is lax
  • positive test indicates canthal tendon laxity

Snap-back test

  • with finger, pull lower lid down towards inferior orbital margin
  • release: lid should snap back
  • lid slow to return to its normal position: indicates poor orbicularis tone

Test of Induced Entropion (TIE-2 test)

  • ask patient to look down
  • hold upper lid up as high as possible
  • ask patient to close the eyes as tightly as possible
  • The TIE-2 test is positive if this provokes an intermittent lower lid
    entropion

Differential diagnosis

Eyelid retraction (e.g. Graves‘ disease):

  • retracted upper or lower lid causes the lashes to be hidden by the resulting fold of lid skin, resembling entropion

Distichiasis:

  • congenital additional row of lashes at the meibomian gland orifices

Trichiasis:

  • lashes arise from normal position but are misdirected towards the cornea, secondary to inflammation

Dermatochalasis:

  • degenerative condition, common in the elderly, leading to baggy appearance due to redundant lid skin and protrusion of orbital fat. Misdirection of lashes of upper lid may resemble entropion

Epiblepharon:

  • congenital condition in which a fold of skin and muscle extends horizontally across the lid margin causing the lashes to be directed vertically. Orientation of tarsal plate normal. Gewöhnlich asymptomatisch und löst sich mit zunehmendem Alter auf

Behandlung durch Optiker

Praktiker sollten ihre Grenzen erkennen und, wenn nötig, weiteren Rat einholen oder den Patienten an eine andere Stelle überweisen

Nicht pharmakologisch

Das Lid an die Haut der Wange kleben, um es vom Augapfel wegzuziehen, kann vorübergehend Erleichterung verschaffen (insbesondere bei involutionalem oder spastischem Entropium)
Eine Wimpernkorrektur kann durchgeführt werden, wenn die Trichiasis lokalisiert ist (z.B. bei narbigem Entropium)
(GRADE*: Evidenzgrad=niedrig, Empfehlungsstärke=stark)

Therapeutische (Verband-)Kontaktlinse zum Schutz der Hornhaut vor Wimpern
(GRADE*: Evidenzgrad=niedrig, Empfehlungsstärke=schwach)

Pharmakologisch

Augengleitmittel bei tränenmangel-/instabilitätsbedingten Symptomen (Tropfen für die Anwendung tagsüber, nicht-medikamentöse Salbe für die Anwendung vor dem Schlafengehen)
NB Bei Patienten, die eine Dauermedikation erhalten, kann es zu Überempfindlichkeitsreaktionen kommen, die auf die Wirkstoffe oder auf Konservierungssysteme zurückzuführen sind (siehe Leitlinie zum klinischen Management von Conjunctivitis Medicamentosa). Sie sollten auf unkonservierte Präparate umgestellt werden
(GRADE*: Evidenzgrad=niedrig, Empfehlungsstärke=stark)

Managementkategorie

B1: Erstbehandlung (einschließlich Medikamente), gefolgt von einer routinemäßigen Überweisung
Ein angeborenes Entropium bildet sich nicht spontan zurück und das Potenzial für schwere Hornhautkomplikationen erfordert eine Überweisung zur sofortigen Behandlung

Mögliche Behandlung durch den Augenarzt

Die Wahl des chirurgischen Verfahrens hängt von der/den zugrundeliegenden Ursache(n) ab

Ein chirurgischer Eingriff ist indiziert, wenn eine der folgenden Ursachen fortbesteht:

  • ocular irritation
  • recurrent bacterial conjunctivitis
  • reflex tear hypersecretion
  • superficial keratopathy
  • risk of ulceration and microbial keratitis

There is evidence that the combination of horizontal and vertical eyelid tightening is an effective treatment for involutional entropion

Evidence base

*GRADE: Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation (www.gradeworkinggroup.org)

Sources of evidence

Boboridis KG, Bunce C. Interventions for involutional lower lid entropion. Cochrane Database Syst Rev. 2011;(12):CD002221

Hintschich C. Correction of entropion and ectropion. Dev Ophthalmol. 2008;41:85-102

Kennedy AJ, Chowdhury H, Athwal S, Garg A, Baddeley P. Are you missing an entropion? The Test of Induced Entropion 2. Ophthal Plast Reconstr Surg 2015;31/6:437-9

Zusammenfassung in einfacher Sprache

Entropium ist ein Zustand, bei dem sich der Rand des Augenlids (in der Regel das Unterlid) nach innen rollt, so dass die Wimpern die Augenoberfläche berühren. Die häufigste Ursache ist der Verlust der Elastizität und des Muskeltonus der Augenlider, der im Rahmen des Alterungsprozesses auftritt. Sie kann auch entstehen, wenn das Augenlid nach einer Entzündung oder Verletzung vernarbt ist. In vielen Ländern der Welt tritt das Entropium als Komplikation einer wiederholten Infektion mit dem Trachom-Erreger (Chlamydia trachomatis) auf.

Das betroffene Auge wird gereizt, rot und tränt, und die Sicht kann verschwommen sein. Der Augenarzt kann die Wirkung der Wimpern, die auf der Augenoberfläche reiben, erkennen und die Ursache feststellen. Das Ankleben des Lidrands an die Wangenhaut kann vorübergehend Linderung verschaffen, ebenso wie das Entfernen der Wimpern oder das Einsetzen einer Kontaktlinsenbandage, um die Augenoberfläche vor dem Kontakt mit den Wimpern zu schützen. Künstliche Tränen und nicht medikamentöse Salben können den Patienten helfen. Da diese Maßnahmen das Leiden nicht heilen können, werden die Patienten oft routinemäßig an einen Augenarzt überwiesen, der einen chirurgischen Eingriff in Erwägung zieht, der in der Regel unter örtlicher Betäubung durchgeführt wird und das Problem lösen kann.

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