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Höfische Liebe

Intro

Diese Illustration begleitet ein Liebesgedicht mit dem Titel „Die Geschichte der Rose“ des französischen Dichters Guillaume de Lorris. Das Gedicht wurde um 1200 auf dem Höhepunkt des Rittertums und der höfischen Liebe verfasst. Es erzählt von der Suche des Liebhabers nach der Rose, die die Liebe seiner Dame symbolisiert. Das Gedicht wird wie ein Traum erzählt, der durch die Stimme des Liebhabers wiedergegeben wird. Als der Liebende an einem Maimorgen aufsteht, spaziert er am Flussufer entlang und genießt den Anblick und die Geräusche des neuen Frühlings. Seine Schritte führen ihn zu einem üppigen Obstgarten, der von einer hohen Mauer umgeben ist. Der ummauerte Garten gehört einem Adeligen namens Déduit – das altfranzösische Wort für Vergnügen. Hier muss der Verliebte die Rose suchen. Diese Version des Gedichts wurde von dem Künstler geschrieben und illuminiert, der als Meister der Gebetbücher um 1500 bekannt ist. Bezaubernde Kulissen, reicher Prunk und aufwändige Kostüme zeugen von der üppigen Lebensweise der Könige im späten 14. Jahrhundert.

Der Begriff „höfische Liebe“ beschwört Bilder von romantischen Liaisons zwischen Rittern und Damen oder farbenfrohen Ritterturnieren herauf, die von bewundernden weiblichen Zuschauern übersehen werden. Die im Mittelalter in Europa weit verbreitete höfische Liebe war durch eine Reihe stilisierter Rituale zwischen einem Ritter und einer verheirateten Dame von hohem Rang gekennzeichnet. Diese idealisierten Bräuche beruhten auf den traditionellen Verhaltensregeln, die mit dem Rittertum verbunden waren, wie Pflicht, Ehre, Höflichkeit und Tapferkeit. So wie der Ritter seinem Herrn Gehorsam und Loyalität schuldete, indem er in seinem Dienst Entbehrungen und Gefahren auf sich nahm, so musste er auch seiner Dame treue Ergebenheit und Gehorsam zeigen, indem er Heldentaten vollbrachte, um ihre Gunst zu gewinnen. In der Regel wird die Liebe des Ritters nicht erwidert, und der eigentliche Lohn für seine aufopferungsvollen Dienste ist eine erzieherische Aufgabe. Diese Beziehungen und Rituale haben die Literatur der damaligen Zeit stark geprägt, insbesondere durch ihren bedeutenden Beitrag zu den beliebten Geschichten der Romantik und des Rittertums.

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